Karsamstag
Zwischen Kreuzigung und Auferstehung. Zwischen Schmerz und Hoffnung. Ein Tag ohne große Worte – nur Stille. Grabesruhe.
Jesus ist tot. Die Jünger sind verstummt, die Hoffnung scheint begraben. Und trotzdem spürt man: Das ist nicht das Ende. Noch nicht das neue Kapitel – aber der Moment dazwischen, der oft am meisten bewegt. Denn Karsamstag zwingt uns, dazubleiben, wo wir am liebsten vorspulen würden.
In der Kirche ist dieser Tag zurückhaltend. Keine Eucharistie, kein Glockenläuten. Der Altar bleibt leer. Die Liturgie pausiert – als würde auch sie tief durchatmen. Denn Karsamstag ist nicht laut. Er ist ein Wartemoment. Ein stiller Blick in die Dunkelheit – mit der Ahnung, dass da irgendwo ein Licht brennt.
In der Nacht beginnt dann die Osternacht. Die Kirche ist dunkel, bis eine Kerze angezündet wird. Das Licht wandert von Hand zu Hand, Kerze zu Kerze. Plötzlich wird es hell. Und alles beginnt von vorn.
Vielleicht liegt genau darin die Kraft dieses Tages: Karsamstag lässt uns nichts tun – außer warten, hoffen, glauben. Denn manchmal ist die größte Stärke, still zu bleiben, bis neues Leben sichtbar wird.
Vielleicht ist Karsamstag gerade deshalb so wichtig: weil er uns zeigt, dass es Zeiten gibt, in denen wir nichts tun können – außer dazubleiben. Still, wach, bereit.
