Karfreitag
Karfreitag erinnert an den Tod Jesu. Nach dem letzten Abendmahl wird er verraten, verhaftet und vor Gericht gestellt. Er schweigt, wird verspottet, gequält – und schließlich gekreuzigt. Ein staatlich organisierter Tod, wie ihn das Römische Reich kannte: öffentlich, schmerzhaft, entwürdigend. Und doch ist genau dieses Kreuz heute das stärkste Symbol des Christentums. Ein Zeichen für Hoffnung – im dunkelsten Moment.
Die Liturgie an Karfreitag ist schlicht: kein Gesang, keine Eucharistie, kein Segen am Ende. Nur Stille. Ein Kreuz wird in die Kirche getragen – und viele gehen hin, berühren es, beten. Manchmal ganz leise, manchmal mit Tränen. Es ist ein Tag, an dem man nichts schönredet. Kein „alles wird gut“, sondern: Es war schlimm. Und trotzdem ist es nicht das Ende.
Draußen übernehmen Kinder mit Ratschen die Aufgabe der Glocken – weil diese symbolisch „nach Rom geflogen“ sind. Viele verzichten auf Fleisch oder essen bewusst einfach. Kein Festessen. Keine Deko. Nur der Versuch, mitzufühlen – ein bisschen.
Karfreitag heißt: nicht weglaufen vor dem Schmerz. Hinsehen. Aushalten. Und die Hoffnung nicht aufgeben.
