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Tausendfüßler

Inhaltliche Methoden | Erlebnispädagogik
Erlebnispädagogik

Infobox

Dauer: 30 Min

TN-Zahl: mind. 8

Ort: Saal oder sehr großer Raum mit viel Platz bzw. im Freien; Mindestmaße des Raums: 25m Länge und 10m Breite  

Materialien: 1 Fußbinde pro TN

 

Anleitung:

Die Teilnehmer*innen stellen sich in einer Reihe nebeneinander auf. Die Beinstellung ist hüftbreit, rechter Fuß an den linken Fuß der*des Nachbarin*Nachbars.   
Dann werden die Füße der Teilnehmer*innen mit den Fußbinden zusammengebunden. Wichtig ist, dass die Fußbinden relativ straff gebunden werden. Sind sie zu locker, kann es beim Gehen schmerzvoller werden als es ohnehin ist. Die Fußbinden sind lang genug und können zweimal um den Fuß gebunden werden. 


Die Aufgabe der Gruppe ist es jetzt, nach dem sie so miteinander verbunden sind, gemeinsam eine vorgegebene Strecke zu gehen. Sie gehen seitwärts also vom Kopf zum Ende. Bei Jugendlichen ist es sinnvoll ein gewisses Ziel anzugeben, dass als Gruppe zu erreichen ist. Wenn die Gruppe das Ziel erreicht hat, muss sie dort wenden und wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren. Außerdem gilt, dass die Teilnehmer*innen nicht hüpfen oder springen dürfen (Verletzungsgefahr).  


Die Workshopleitung greift in den Prozess des Ausverhandelns und Gehens nur ein, wenn es zu wild werden sollte, wenn Verletzungsgefahr besteht oder wenn es aussichtslos erscheint, dass sich die Gruppe auf eine gemeinsame Lösung einigt. Die Herausforderung der Gruppe liegt darin, sich in dieser Aufstellung auf eine gemeinsame Lösung zu einigen, wie sie die vorgegebene Streckte bewältigen kann. Das gemeinsame Gehen ist, je nach Lösungsansatz – anspruchsvoll bis lustvoll.   


Wenn es im Vereinbarungsprozess zu laut wird und keine gemeinsame Lösung gefunden wird, kann ein einminütiges Schweigen als „Cooldown“ vereinbart werden.  


Manche Gruppen finden rasch die Lösung für das gemeinsame Gehen – andere Gruppen gar nicht. In diesem Fall können Tipps gegeben werden. Manchmal wird die Lösung bereits von einer*einem Teilnehmer*in geäußert, aber von der Gruppe nicht gehört oder auch nicht ernst genommen.  


LÖSUNG: die Gruppe zählt die Fußpaare, beginnend mit dem äußeren (einzelnen) Fuß durch. Der erste einzelne Fuß bekommt die Nummer 1, das nächste Fußpaar die Nummer 2, das nächste Fußpaar wieder die Nummer 1, etc.  


Eine Person in der Gruppe gibt beim Gehen das Kommando. Abwechselnd gehen alle 1er und dann alle 2er einen Schritt nach vorne. Auf diese Weise kann eine gut eingespielte Gruppe beinahe ins Laufen kommen.   


Reflexion: 

Nach der Methode wird zuerst einmal die Aufgabe selbst mit einer Auswahl der folgenden Fragen reflektiert. Diese Fragen könnte ausgedruckt jede*r TN bekommen. Je mehr Teilnehmer*innen es sind, desto straffer muss die Moderation sein. Wichtig ist, dass hier jede*r zum Sprechen kommt.  


Einzelreflexion 

  • Wie ist es mir bei der Übung ergangen?  
  • Welche Rolle habe ich in der Gruppe eingenommen?  
  • Was ist mir/der Gruppe gut gelungen?  
  • Was hätte ich/die Gruppe besser machen können?  

Weitere Reflexionsfragen: 

  • Wie genau ist die Entscheidung in der Gruppe zustande gekommen? 
  • Woran hast du gemerkt, dass andere die gleiche oder eine andere Meinung haben? 
  • Welche Reaktionen konntest du bei den anderen in der Gruppe wahrnehmen? 
  • Wie reagierte die Gruppe auf Situationen, die nicht abgesprochen waren/wurden? 
  • Welche Fehler gab es und welche Reaktion wurde ausgelöst, wenn ein Fehler auftrat? 

 

Transfer der Erfahrungen aus der Übung in das eigene Leben 

  • Was haben die Erfahrungen, die ich in der Übung gemacht habe, mit meinem Leben zu tun? Erkenne ich Muster oder Verhaltenswiesen, die ich auch sonst von mir kenne? 
  • Was bedeutet die gemachte Erfahrung für dein Alltagsleben? 
  • Wie könnten wir das gegenseitige Vertrauen in der Gruppe konkret verbessern?   
  • Was braucht die Gruppe, damit sich z.B. auch bei schwierigen Entscheidungen alle wohlfühlen? 
  • Wie könnten die gemachten Erfahrungen helfen, im Alltag anders miteinander auszukommen? 

 

Variante 1: Mt5,43-48, Mt22,34-40 

Nach Reflexion der Übung selbst sind folgende Fragen möglich, die auf den Transfer des Erlebten ins Leben der TN zielen: Es gibt auch im Leben Situationen, in denen ich mit jemand verbandelt bin, d.h. mit jemandem (meiner/n ''Nächsten'') zu tun habe, ob ich das nun will oder nicht. Situationen, in denen  ich mich nicht loslösen kann, auch wenn ich es wollte. Das Feindesliebe-/Nächstenliebegebot ist aber gerade keine Aufforderung alles zu ertragen, oder mit allem mitzutun. Wann sage ich Stopp? 

  • Mit wem bin ich verbandelt?  
  • Wer ist mir der Nächste im Sinn von: Mit wem habe ich am meisten zu tun? (Familie, Schule, Arbeit,...)  
  • Methode: Soziogramm: Auf einem weißen Blatt Papier in die Mitte den eigenen Namen schreiben, mit farbigen Punkten, Linien,... die Personen einzeichnen, mit denen ich mehr oder weniger zu tun habe,... 
  • Was heißt für mich ''Liebe deinen Nächsten...'', wenn ich an diese Beziehungen denke? 

 

Transfer 1: 1 Kor. 12, 12-31  

Die Jugendlichen lesen den Text 1 Kor. 12, 12-31 (Übersetzung aus der „Gute Nachricht Bibel“ verwenden). 

 

Anschließend gehen die Jugendlichen frei durch den Raum und lesen laut den Text nochmal. Eigenes Tempo eigene Lautstärke. Ein Durcheinander entsteht. (Eventuell Vergleich zu Pfingsten mit verschiedenen Sprachen). Dann gehen wir nochmal und lesen miteinander (vielleicht nicht mehr den ganzen Text – wenn es sich zeitlich nicht ausgeht) und schwingen sich ein. Wir sind somit ein Leib der hier agiert.  

 

Fragen: Wie ist der Unterschied? Was ist anders, wenn alle durcheinander sprechen? Wenn alle gemeinsam sprechen? Wo fühle ich mich wohler?
Rückgriff auf „Ein Leib“  


Theologische Einordnung: Paulus schreibt hier einen Brief an die Gemeinde in Korinth. Heute in Griechenland. Er war schon mal dort, aber irgendwie funktioniert jetzt wohl das miteinander nicht mehr. Mit dem Brief will er sie erinnern, dass man für eine Gemeinde alle braucht. Nicht jeder kann tun und lassen, was man will. Man sollte sich nach dem Kopf ausrichten – für Paulus ist das Jesus. Das lässt sich daraus ableiten, gemeinsam ein Leib – das Christentum, ist ein Leib über die ganze Welt hinweg.  

 

Bibeltext: 1 Kor. 12, 12-31  

Das Bild vom Körper und seinen Teilen: Niemand hat seine Fähigkeiten für sich allein   
(Übersetzung Gute Nachricht Bibel)  


12 Der Körper des Menschen ist einer und besteht doch aus vielen Teilen. Aber all die vielen Teile gehören zusammen und bilden einen unteilbaren Organismus. So ist es auch mit Christus: mit der Gemeinde, die sein Leib ist.   


13 Denn wir alle, Juden wie Griechen, Menschen im Sklavenstand wie Freie, sind in der Taufe durch denselben Geist in den einen Leib, in Christus, eingegliedert und auch alle mit demselben Geist erfüllt worden.   


14 Ein Körper besteht nicht aus einem einzigen Teil, sondern aus vielen Teilen.   


15 Wenn der Fuß erklärt: »Ich gehöre nicht zum Leib, weil ich nicht die Hand bin« –  hört er damit auf, ein Teil des Körpers zu sein?   


16 Oder wenn das Ohr erklärt: »Ich gehöre nicht zum Leib, weil ich nicht das Auge bin« – hört es damit auf, ein Teil des Körpers zu sein?   


17 Wie könnte ein Mensch hören, wenn er nur aus Augen bestünde? Wie könnte er riechen, wenn er nur aus Ohren bestünde?   


18 Nun aber hat Gott im Körper viele Teile geschaffen und hat jedem Teil seinen Platz zugewiesen, so wie er es gewollt hat.   


19 Wenn alles nur ein einzelner Teil wäre, wo bliebe da der Leib?   


20 Aber nun gibt es viele Teile, und alle gehören zu dem einen Leib.   


21 Das Auge kann nicht zur Hand sagen: »Ich brauche dich nicht!« Und der Kopf kann nicht zu den Füßen sagen: »Ich brauche euch nicht!«   


22 Gerade die Teile des Körpers, die schwächer scheinen, sind besonders wichtig.   


23 Die Teile, die als unansehnlich gelten, kleiden wir mit besonderer Sorgfalt und die unanständigen mit besondere Anstand.   


24 Die edleren Teile haben das nicht nötig. Gott hat unseren Körper zu einem Ganzen zusammengefügt und hat dafür gesorgt, dass die geringeren Teile besonders geehrt werden.   


25 Denn er wollte, dass es keine Uneinigkeit im Körper gibt, sondern jeder Teil sich um den anderen kümmert.   


26 Wenn irgendein Teil des Körpers leidet, leiden alle anderen mit. Und wenn irgendein Teil geehrt wird, freuen sich alle anderen mit. 

 

27 Ihr alle seid zusammen der Leib von Christus, und als Einzelne seid ihr Teile an diesem Leib. 


28 So hat Gott in der Gemeinde allen ihre Aufgabe zugewiesen. Da gibt es erstens die Apostel, zweitens die, die prophetische Weisungen erteilen, drittens die, die zum Lehren befähigt sind. Dann kommen die, die Wunder tun oder heilen können, die Dienste oder Leitungsaufgaben übernehmen oder in unbekannten Sprachen reden.   


29 Nicht alle sind Apostel, nicht alle erteilen prophetische Weisungen, nicht alle sind zum Lehren befähigt. Nicht alle können Wunder tun,   


30 nicht alle Kranke heilen, nicht alle in unbekannten Sprachen reden, nicht alle diese Sprachen deuten.   


31 Bemüht euch aber um die höheren Geistesgaben!  

 

Erstellt von: Andrea Schedlberger 2008; SpiriNight 2025 

Aktualisiert von: Elisabeth Riener, 2026 

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