Linie der Möglichkeiten
Infobox
Dauer: 45 Min
TN-Zahl: 5 – 30
Ort: freie Fläche
Materialien: 1 Rollenkärtchen pro Teilnehmer*in
Anleitung:
Vorbereitung:
Die Spielleitung bereitet Rollenkärtchen vor, die unterschiedliche Lebensrealitäten abbilden. Dabei sollten gesellschaftliche Themen diskutiert werden. Hier einige mögliche Themen:
- soziale Ungleichheit
- Migration & Flucht
- Rassismus
- Gender & Identität
- Finanzielle Freiheit & Möglichkeiten
- Prekäre Arbeit
Ablauf:
Alle Teilnehmer*innen stellen sich in einer Linie an einer Seite des Raumes auf. Jede Person erhält ein Rollenkärtchen. Die Rolle bleibt geheim.
Die Teilnehmer*innen haben ca. 3 Minuten Zeit, sich in ihre Rolle hineinzuversetzen. Anschließend liest die Spielleitung verschiedene Aussagen vor. Wenn eine Aussage auf die eigene Rolle zutrifft, geht die Person einen Schritt nach vorne. Wenn nicht, bleibt sie stehen. Ob, man die Frage mit Ja oder Nein beantwortet, liegt in der Einschätzung der jeweiligen Person.
So entsteht im Laufe des Spiels ein Bild von unterschiedlichen Start- und Lebensbedingungen.
Beispiel-Rollen (beliebig erweiterbar)
- 17-jährige Schülerin und Klimaaktivistin aus wohlhabender Familie
- 15-jährige in Einzelhandelslehre, trägt ein Kopftuch aus religiösen Gründen
- 19-jährige geflüchtete Person mit unsicherem Aufenthaltsstatus
- 22-jährige Studentin mit Studienbeihilfe und Nebenjob
- 26-jähriger IT-Facharbeiter im Homeoffice
- 30-jährige alleinerziehende Mutter in Teilzeit
- 21-jährige Person in Ausbildung, die Diskriminierung aufgrund von Geschlechtsidentität erlebt
- 24-jähriger erfolgreicher Influencer mit hohem Einkommen
- 27-jährige Pflegekraft im Schichtdienst
- 18-jähriger arbeitsloser Jugendlicher
- 24-jährige Person mit körperlicher Beeinträchtigung
- 30- jähriger Lehrer aus Deutschland
- 19-jähriger ghanaischer Asylbewerber
- 17- jährige mit Lernschwäche
Beispiel-Fragen (alle Fragen beziehe sich auf den Wohnort Österreich):
Kannst du …
- dir ohne Sorgen Lebensmittel und Kleidung leisten?
- spontan verreisen?
- dich im Internet frei und sicher bewegen?
- eine gute Ausbildung abschließen?
- dich politisch einbringen (z.B. wählen, demonstrieren)?
- dich vor Diskriminierung geschützt fühlen?
- dir eine eigene Wohnung leisten?
- psychologische Unterstützung bekommen, wenn du sie brauchst?
- dich in sozialen Medien positiv darstellen, ohne Angst vor Hass?
- klimafreundlich leben, ohne große finanzielle Nachteile?
- deine Zukunft langfristig planen?
- ohne Bedenken ins Schwimmbad gehen?
- dich im nach Einbruch der Dunkelheit sicher fühlen?
- beim Versuch, einen Diebstahl anzuzeigen, faire Behandlung von der Polizei erwarten?
- Übers Wochenende Wellnessen fahren?
Auswertung:
Nach der letzten Frage bleiben alle an ihrer Position stehen.
Phase 1: Rollenoffenlegung
Die Teilnehmer*innen nennen ihre Rolle und beschreiben ihre Gefühle während des Spiels.
Leitfragen:
- Wie hast du dich in deiner Rolle gefühlt?
- Wie war es, vorne/hinten zu stehen?
- Wann konntest du nicht weitergehen?
Phase 2: Reflexion (Plenum)
Leitfragen:
- Welche Faktoren haben deine Möglichkeiten beeinflusst?
- Welche Rolle spielen Herkunft, Bildung, Einkommen oder Geschlecht?
- Welche Ungleichheiten waren besonders sichtbar?
- Warum nehmen wir diese im Alltag oft nicht wahr?
Phase 3: Transfer in die Lebenswelt
Leitfragen:
- Wo begegnen euch solche Ungleichheiten im Alltag?
- Welche Rolle spielt die Arbeitswelt dabei?
- Was könnte sich gesellschaftlich verändern?
- Was könnt ihr selbst beitragen?
Abschluss
Ein kurzes Bewegungsspiel hilft dabei, aus den Rollen auszusteigen.
Erstellt von: Enchada 2014
Aktualisiert von: Lisa Weingartsberger 2026
