81. Gedenk- und Befreiungsfeier Mauthausen
Im Rahmen der Feier gestalteten hunderte junge Menschen die Jugendkundgebung im ehemaligen Steinbruch des Konzentrationslagers Mauthausen. Organisiert wurde diese von der Katholischen Jugend Oberösterreich, der Sozialistischen Jugend Oberösterreich und der Gewerkschaftsjugend Oberösterreich. Auch die Katholische Jungschar Österreich war beim Gedenkzug vertreten.
Keno Lothring, Vorsitzender der Katholischen Jugend Oberösterreich, brachte die Herausforderung der Auseinandersetzung mit der Tätergeschichte in seiner Gedenkrede auf den Punkt:
„Die Täter und Täterinnen waren keine Monster aus einer anderen Welt. Sie waren Menschen. Nachbarn. Nachbarinnen. Väter. Mütter. Söhne. Töchter. Soldaten. Viele von ihnen haben nicht aus blindem Hass gehandelt, viele haben einfach mitgemacht. Sind mitgelaufen. Haben weggeschaut. Befehle befolgt. Sich gesagt: Es ist nicht meine Verantwortung.“
Er erinnerte daran, dass Historikerinnen und Historiker seit Jahrzehnten untersuchen, wie „gewöhnliche Menschen” zu Täterinnen und Tätern werden – und dass die Antwort erschreckend schlicht ist: „schrittweise“. Durch kleine Zugeständnisse. Durch Schweigen beim ersten Unrecht. Durch die Gewöhnung an das Unnormale, bis es normal erscheint.
Im Anschluss folgte ein stiller Weg: der Aufstieg über die Todesstiege, das Gedenken beim Kinder- und Jugenddenkmal und der internationale Gedenkzug.
Vor dem Denkmal legten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Gerbera Blumen nieder. Jede Blume stand stellvertretend für einen Menschen, der in Mauthausen ermordet wurde. Aus anonymen Opferzahlen wurden für einen Moment einzelne Schicksale sichtbar.
In diesem Rahmen betonte auch Klemens Lesigang, Vorsitzender der Katholischen Jugend Österreich, wie wichtig das gemeinsame Erinnern ist:
„Diese Feier ist kein bloßes Gedenken, sondern eine Verpflichtung. Mauthausen führt uns vor Augen, was geschieht, wenn die Würde von Menschen an Bedeutung verliert und demokratische Prinzipien ins Wanken geraten. Wir erleben heute erneut, wie Worte verletzen können, wie Misstrauen geschürt wird und wie schnelle Antworten auf schwierige Fragen an Einfluss gewinnen. Gerade deshalb brauchen wir Orte wie diesen, die uns erinnern, uns mahnen und uns wachhalten. Es kommt auf uns an, aufmerksam zu bleiben und nicht in Gleichgültigkeit zu verfallen. Es kommt auf uns an, Haltung zu zeigen und unsere demokratischen Werte im Alltag zu leben und zu schützen.“
Die Gedenkarbeit der Katholischen Jugend ist historisch gewachsen und untrennbar mit den Erfahrungen des Nationalsozialismus verbunden. Katholische Jugendgruppen wurden verboten und systematisch von der Hitlerjugend verdrängt. Junge Menschen bewegten sich in diesem System zwischen Anpassung, Mitläufertum und – unter hohem persönlichem Risiko – auch Formen des Widerstands, wie ihn etwa Franz Jägerstätter geleistet hat. Diese Ambivalenz blieb lange unzureichend aufgearbeitet.
Erst das Zweite Vatikanische Konzil brachte eine klare Zäsur. Es stieß eine tiefgreifende Selbstprüfung an, öffnete die Kirche zur Gesellschaft und stellte Gewissensverantwortung, Menschenwürde und politische Wachsamkeit ins Zentrum kirchlichen Handelns.
Daraus entwickelte sich ein Selbstverständnis, das bis heute Orientierung gibt: Erinnerung ist kein Rückblick um seiner selbst willen, sondern eine Verpflichtung. Für die Katholische Jugend bedeutet das, die Würde jedes Menschen ins Zentrum zu stellen und dort Haltung zu zeigen, wo Ausgrenzung, Gleichgültigkeit oder Unrecht sichtbar werden.
Fotos werden über den folgenden Link in der Mediendatenbank der Diözese Linz zum Download zur Verfügung gestellt: Foto Download
